I’m more different than I feel

Hach ja, mein Lieblingsthema Anpassung… Es gibt einfach Aktionen, da denkt man sich im Nachhinein: Hätte ich die nicht mir selber irgendwie ersparen können? Ausrasten auf der Arbeit gehört zum Beispiel dazu. In einer gestressten Situation, alle sind ernst, alle tun so, als wenn die Arbeit dieses Tages das absolute Lebensziel sei. Und ich… nun ja, ich war unzufrieden. Erst nur leicht, dann erinnerte ich mich immer mehr auch an die Tage zuvor – und booom, es ist ja nichts anderes wie eine Bombe, die lange da liegt und Gras wächst darüber, aber sie bleibt eine Gefahr. 

Nun, bei mir zumindest hat das Gras über mir alles nichts genutzt, ich bin dann doch explodiert. Und die Reaktionen: Schockiert bis wirklich ernsthaft schockiert. Das kann sie doch nicht machen, einfach alles hier in dieser ernsten Atmosphäre durcheinanderbringen, einfach loszuheulen. Doch, das konnte ich sehr gut. Mehr sogar, ich habe mich wieder gefühlt wie früher, laaange ist es her, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, und ich noch viel, viel temperamentvoller war. Regelmäßig bekam ich vor Wut Heulkrämpfe und konnte gar nicht mehr reden, so weit war es da schon mit dem Hyperventilieren. Und nun? Ich bin doch viel älter und muss mich dementsprechend doch auch anders verhalten – oder etwa nicht?

Unser Leben lang werden wir dazu erzogen, uns anzupassen. An unsere Familie, in die wir geboren wurden, an den Kindergarten, das Essen dort, das Essen in der Region, das Essen, das gerade in ist. Schule und Lehrer. Wissen. Was wichtig ist zu wissen, entscheiden natürlich andere. Und wenn wir alt genug sind, um selber zu entscheiden, was wir gerne wissen würden, müssen wir uns nur noch an die Orte anpassen, in denen das von uns gewählte wissen gebraucht wird. wir kaufen uns Hosenanzüge für das Praktikum in der Anwaltskanzlei, später fühlen wir uns auch noch total wohl in dieser Kleidung. Wie kaufen dicke schwarze Brillen, weil wir so besser aussehen in unserem gemieteten Work Space.

Auffallen ist auch nur dann gut, wenn es kontrolliert ist, wie eben in dem Fall mit den schwarzen Brillen. Da will man ja auffallen, anders sein – obwohl man es im Endeffekt natürlich doch nicht ist. Man ist Teil einer Massenbewegung. Überraschung. Man fühlt sich nur besser.

Nach meinem Ausraster auf der Arbeit halten mich wohl viele für psychisch labil. Eine Arbeitskollegin meinte heute in der Mittagspause: „Du musst noch mal erklären, dass das nicht psychisch labil ist, sondern dass du nicht alles mit dir machen lässt.“ Schwierig, die Grenze ist da heutzutage oft fließend.

Mehr Mut, denke ich mir heute schon. Und mehr Mut zum Ausrasten. Was ist denn da alles passiert in dieser Phase der Gewöhnung, der Anpassung? Was ist da alles verloren gegangen?

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2 Kommentare zu „I’m more different than I feel

  1. … falls kommentieren von Fremden hier erwünscht ist:
    Sehr netter Blog, sehr schön geschrieben, du schreibst mir mit der Anpassung aus der Seele.
    Bei uns im Team ist vor kurzem eine Frau geplatzt und alle anderen hintereinander auch 🙂
    Alle gegen den Chef geplatzt.
    Aber es hatte was gutes: jetzt endlich machen wir eine Teamentwicklung mit Mediator.
    Es musste erst jemand mutig platzen, damit sich was ändert.

    …und es heisst nicht psychisch labil sondern emotional flexibel – was in der aktuell angepassten Welt immer aus dem Rahmen der Vorstellungen der anderen fällt.

    … einen sonnigen Tag

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