So langsam wird es wieder kälter…

… und mir wird wieder klar, warum die Deutschen so sind, wie sie eben sind und warum die Norddeutschen nochmal ein bisschen anders sind als die Süddeutschen. Das Wetter prägt uns – und wir fühlen uns manchmal grau, weil draußen alles grau ist und umgekehrt rettet uns manchmal der Sonnenschein das Leben. Es ist dann nicht mehr halb so schwer. Was also tun auf dem Weg in die Dunkelheit, und damit auch in die Kälte?

Das wird jetzt ein kleiner Ratgebertext, da ich gerade eine Hobbyköchin getroffen habe, die Polin ist, und mit solch einer Begeisterung und Leidenschaft kocht, dass mit ihrem Feuer der Herbst und der auch schon in den Starlöchern stehende Winter gar nicht mehr so trüb erscheinen. Thema war das polnische Gericht Bigos – ich sollte darüber einen Artikel schreiben. Bigos ist so etwas wie das polnische Nationalgericht. Zumindest kommt es in die Bewerberliste. Bigos ist ein Eintopf mit den Hauptzutaten Weißkohl, Sauerkraut, Trockenpflaumen und verschiedenem Fleisch – also ziemlich unglamorös sieht das Essen fertig gekocht im großen Topf aus. So etwas als Nationalgericht? Nun, sagte meine Hobbyköchin und bemühte sich um Worte. Man könne eben ziemlich viel davon kochen. Und man könne Bigos lange aufbewahren. Man brauche keine großartigen aufwendigen Zutaten, eben Kohl und Sauerkraut, Pilze, Gemüse, das es in Polen im Herbst eben zu Genüge gebe. Auch das Fleisch müsse kein besonderes sein, Schweinenacken, ein Stück Gans… nichts Teures. Aufwendig ist es dennoch, all die Zutaten zusammen zu schnibbeln und sie erst einmal in verschiedenen Töpfen zu kochen, um sie dann in einem großen Topf zusammenzubringen.

Und die Benefits? Warm halte der polnische Eintopf. Und er sei gut, um Kranke wieder gesund zu machen. Er erinnere an früher, sagte eine Frau, die die Köchin eingeladen hatte, um all den Bigos auch wieder zu verfuttern. Die Wärme des Bigos und die Wärme im Raum vermischten sich, die mittlerweile drei Gäste und die Köchin kamen ins Plaudern über ihren heißen Tellern (denn Bigos wird sehr heiß serviert!). Und auch wenn ich selber den Eintopf (mit dem ganzen Fleisch) nicht probiert habe, kam all das mit rüber, was die Köchin mir erzählte: Dass es eben kein Gericht ist, das man für sich alleine kocht, dass sie schon als sie jünger war und mit Liebe und Leidenschaft in Polen gekocht hat, alle ihre Verwandten, Tanten, Opas und Nachbarn zum Essen eingeladen hat. Dass es ein Essen für viele ist und sie die Geschichten ihrer Verwandten liebte, die alle um den gedeckten Tisch saßen. Zeit, den anderen zuzuhören, selber zu erzählen.

Ist das nicht ein schönes Motto für die kommenden kälteren Jahreszeiten? Für andere zu kochen, Menschen einzuladen, mit denen man schon lange mal wieder quatschen wollte, Leute einzuladen, die gerne zusammen sind. Ach ja, und dann war da auch noch eine Frau unter den drei Gästen, die die Gastgeberin gar nicht kannte. Ihr Mann sei vor drei Jahren gestorben, sagte sie, seitdem müsse sie sich aufraffen, das Haus zu verlassen. Normalerweise mache sie so etwas nicht, einfach bei „Fremden“ vorbeigehen. Ihre Freundin habe sie aber überredet, doch mit zum Bigos-Essen zu kommen.

Also immer auch einen Platz frei lassen am Essenstisch für neue Leute und neue Bekanntschaften. Appetit hat jeder. Und etwas für alle zu kochen muss ja nicht so aufwendig sein wie Bigos – kann aber gerne so viele einfache Zutaten beinhalten. Viel Spaß beim Kochen – und einladen 😉 

 

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