Next try…

Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen den theoretischen Herausforderungen, die man als Möglichkeit zum Wachsen sieht, zum Selbststudium, und den tatsächlich eintretenden Herausforderungen, die man einfach nur loswerden will. Es ist nicht so, dass man die Probleme, die einem in den Weg springen, nicht als Herausforderungen wahrnimmt. Nee, ich sehe sie und denke: Meine Güte, darüber redest du in deinen Stunden doch so oft. Nun also dich selber beobachten und nett und freundlich das Problem lösen. Aber dann im Alltag… eher gesagt im Alltagsproblemlösen…

Ich habe eine Freundin, die auf den ersten Moment – auch auf mich – etwas sozial merkwürdig wirkt. Sie ist sehr ruhig, immer freundlich – aber irgendwie sind Alltagsgespräche mit ihr schwierig. Sie ist auch Yogalehrerin und wenn man mit ihr irgendetwas über Yoga bespricht oder eine Stunde durchgeht, ist sie großartig. Aber im Café über die Alltagsprobleme reden – als hätte sie kein Interesse. Das macht sich natürlich erst recht nicht gut, wenn noch andere Freunde dabei sind, sie sitzt daneben, scheinbar an allen Gesprächen unbeteiligt.

Bis mir aufgefallen ist, oder eher: ich wurde auf die Erkenntnis hingestoßen, dass sie versucht, nie schlecht über andere Menschen zu sprechen. Sie hat sich vorgenommen, an keinerlei Gossip teilzunehmen. Und ich meine: keinerlei Gossip… Versuch das mal. Richtig, das Ergebnis ist, dass man in der ganz normalen Kaffeeklatsch-Gesellschaft wenig mitzureden hat. Vor allem, wenn sich die anderen warmgeredet haben und in ihre kleineren und größeren zwischenmenschlichen Probleme hineingesteigert haben. Was dann noch mitreden, wenn man sich aus Schlecht-Reden über andere heraushalten will? Und was bespricht man eigentlich beim Kaffee?? Man kotzt sich aus…

Diese Freundin fühlt sich zusehends im Yogastudio wohler als im Café, im Gespräch über Sutren strahlt sie mehr als wenn man über die Arbeit und die Chefs spricht. Ich kenne sie nicht vorher, ich weiß nicht, ob das schon immer so war. Bekannte sagen, dass sie früher ganz anders war. Verändert das also jemanden, wenn man sich entschließt, nicht negativ über niemanden, wirklich NIEMANDEN zu sprechen?
Und vor allem: Wie sehr ist unsere Gesellschaft von solchen Auskotz-Gesprächen geprägt?

Ist es also vielleicht auch so, dass wir unsere Alltagsprobleme einfach zu sehr thematisieren? Oh Gott, eine Email, die so und so geschrieben ist – was nimmt sich der oder die denn raus, mir so zu schreiben? Und all die anderen Beschwerden, die einen erreichen, sollte man sie einfach versuchen zu bearbeiten, ohne der Kollegin zu erzählen, wie die Mails genau aussahen, wer sie wie geschrieben hat?

Fast schon absurd, dass so etwas, das wir so oft predigen, nicht schlecht über andere zu reden, im Alltag so sozialuntauglich aussieht.

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