Wo Brownies herkommen

Ich dachte, ich schaue noch einmal schnell ins Café, ich hatte am Freitag Brownies gebacken, wer weiß, wie viele heute noch übrig waren. Es waren noch zwei, einen Brownie konnte man noch gut stehen lassen für morgen, aber der andere war ein Eckstück, das die Nacht wahrscheinlich nur sehr trocken überstanden haben würde. Normalerweise, keine Frage, hätte ich das Eckstück einfach selber gegessen. Aber heute war mein erster Tag meines 21-Tage-Fastens. Es war schon 9 Uhr abends, mir fiel niemand meiner Freunde ein, den ich an einem Sonntagabend mit einem Brownie überfallen wollte. Kurz überlegte ich, den Brownie nicht doch einfach zu essen, ich könnte ja morgen mit dem Plan anfangen… Nachdem ich diesen Gedanken als nicht-produktiv abgetan hatte, überlegte ich, ob ich den Brownie nicht den beiden Obdachlosen vorbeibringen könnte.

Ich hatte sie auf dem Weg zum Café gesehen, sie saßen vor einem Drogerieeingang und einer der beiden klopfte mit seiner Bierflasche einen Beat. Ganz ehrlich, wirklich sympathisch waren sie mir nicht. Aber nun. Also packte ich den Brownie ein, schwang mich auf mein Fahrrad und suchte den Drogerieeingang. Nee, hier war es nicht. Oder waren sie nicht mehr da? Ich schaute mich um, weit und breit keine sitzenden Menschen mit Bierflaschen auf dem Bürgersteig zu sehen. Ein kleiner Junge lief vorbei, kurz überlegte ich, ihm den Brownie zu geben, da sah ich, dass er wartete, hinter ihm kamen zwei Männer angeschlurft, wahrscheinlich sein Vater, und irgendwie fühlte ich mich komisch, dem Kind den Brownie zu schenken. Als ich mich noch fragte, warum ich das eigentlich komisch fände, und ich mir mit dem Gedanken half, dass so ein Brownie ja auch nicht das beste Abendbrot für ein Kind sei, rannte der Junge über die Straße auf ein Restaurant-Fenster zu.

Eine junge Frau sang, sitzend am Piano, rund zwei Dutzend gutangezogene Menschen hörten zu. Gemütlich sah es aus dort drin. Der Junge schrie, in sicherer Entfernung zum Fenster, „Buh, Buh“, und beide Männer, auf dem Weg zu ihm, lachten laut. Der Junge lief weiter, aber angeheizt durch das Lachen der erwachsenen Männer machte er auf der Stelle kehrt und rannte wieder zum Fenster, dieses Mal ging er nah ran, auf Augenhöhe der Sängerin, reckte seine kleine Faust in die Luft und rief laut „Buuuh“. Einer der Männer hatte es schon kommen sehen und wollte den Jungen von seiner Aktion abhalten, er schrie etwas Unverständliches. Der andere Mann lachte jedoch noch lauter, ein gesteigertes Lachen auf die gesteigerte Reaktion des Jungen.

Ich hatte immer noch meinen Brownie, glücklicherweise, meinte ich fast, ich schob mein Fahrrad, ging weiter die Straße entlang – und da waren sie, ich freute mich, zwei Menschen auf der Straße sitzen zu sehen, die viel Gepäck dabei hatten, das sie neben sich türmten. Aber je näher ich kam, desto mehr Zweifel machten sich breit, die beiden sahen super okay aus, nichts da, Obdachlose, eher wohl zwei Reisende, die eine Pause machten. Ich lief an ihnen vorbei. Vielleicht würden sie mich auslachen mit meinem Brownie. Aber es gab keine Alternative. Keine so schnelle. Ich stellte mein Fahrrad ab, lief die 200 Meter zurück zu dem Pärchen, holte den Brownie aus meiner Tasche und sagte zu ihr: „Mögt ihr einen Brownie aus meinem Café?“ Sie roch nach altem Rauch und sagte: „Ja klar, gerne.“ Er roch schon von weitem nach Alkohol, ziemlich viel. Er sah von nahem doch etwas heruntergekommen aus. Wie konnte ich denken, die beiden seien nur auf der Durchreise? „Müsst ihr euch leider teilen, ich habe nur einen.“ „Ist doch kein Problem.“ Als ich mich wieder umdrehte hörte ich ihn sagen: „Brownie, das ist doch irgendwas Amerikanisches, oder?“

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