Der Luxus des Lernens

Seit vergangenem Wintersemester bin ich wieder Studentin. Das war so: Eigentlich wollte ich „nur“ mehr Sanskrit lernen, aber ich hatte keine Lust mehr auf diese Online-Kurse, bei denen man immer wieder von vorne anfängt, immer wieder das Alphabet durchkaut… Und irgendwie hatte ich dann immer bis zum nächsten Online-Kurs oder Workshop-Wochenende alles vergessen. Irgendwoher bekam ich die Idee, mich an der Uni einzuschreiben für Sanskrit, und da die Uni Köln das nicht mehr anbietet, habe ich mich in Bonn eingeschrieben. Indologie, Bachelor. Geht nicht mit nur einem Fach. Also habe ich noch ein anderes Fach dazu gewählt, Griechische Literatur und ihr Fortleben. Zulassungsfrei. Ist mein Zweitstudium und ich wollte mir selber so wenig Stress wie möglich mit der Einschreibung machen.

Dennoch, einmal eingeschrieben für Griechisch (und so ganz unemotional hatte ich es nun doch nicht aus den zulassungsfreien Fächern ausgesucht) habe ich auch Veranstaltungen in dem Fach besucht. Von Modulhandbüchern hatte ich zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, also wählte ich einfach Veranstaltungen, die mir Spaß machten. Das hatte insofern nichts mit dem eigentlichen Studium zu tun, als dass ich am Ende des Semesters feststellen musste: Ich konnte mir in Griechisch keine meiner Veranstaltungen anrechnen lassen – also als zählende, abgeschlossene Module. Oh man, in meinem Magisterstudium, im Jahre 2002 begonnen, war das alles noch etwas anders gewesen. Da musste ich mich noch per Hand in Seminarlisten eintragen. Aber nun gut.

Fern von meinen bürokratischen Problemen habe ich allerdings gemerkt, wie luxuriös Lernen an sich ist. In meinem ersten Studium hatte ich das nie so explizit gemerkt. Da hat mir mein Studium zwar großen Spaß gemacht, aber vieles war auch einfach ein Übergang von der Schule zum Studium, also fast normal. An einen Ort zu gehen, wo Menschen Wissen teilen, nahm ich damals noch selbstverständlich hin. Mit anderen Menschen zusammen in einem Raum sitzen und lernen – klar, das kannte ich fast gar nicht anders. Aber jetzt, mit 32, noch mal an einen solchen Ort zurückzukehren, da hat sich fast eine komplett neue Welt aufgetan. Wow, da vermitteln Leute ein Wissen in 90 Minuten – so viele Online-Kurse kann ich gar nicht machen, um den gleichen Lerneffekt zu erzielen wie in einer Einheit in der Universität. Meine Meinung.

Und dann ist das Lernen solch ein Break zu meinem Arbeitsalltag, in dem ich vieles selber produziere und produzieren muss, in dem ich selbst Yoga-Stunden kreativ zusammen bastele, selber auf der Matte täglich übe, für Workshops oder auch mal einen Monat Mysore in Indien ein Heidengeld ausgebe. Nun also das Lernen als Luxus – für den Preis eines Semestertickets. Ich gerate ins Schwärmen, ich weiß, aber den Weg nach Bonn nehme ich mittlerweile auch gerne für nur ein Seminar auf mich.

Sanskrit läuft übrigens super (ich habe das Gefühl, ich habe nur über Griechisch geschrieben…) Da habe ich sogar einen Kurs gewählt, den ich mir anrechnen konnte und nun besuche ich ab übernächste Woche Sanskrit II, 2tes Semester. Ihr könnt es euch denken: Ich kanns kaum abwarten. Streberin, I know. But I can take it.

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