Sitting around the fire

In einem Interview erzählte die Schauspielerin und Bloggerin Carrie-Anne Moss, Instagram fühle sich für sie so an, als wenn sie um ein digitales Lagerfeuer herum sitze, an dem sich alle Geschichten erzählten. Erst hatte ich nur diesen Ausschnitt aus dem Interview gelesen und dachte mir: Finde ich irgendwie nicht… Die meisten bei Instagram teilen fancy Fotos in fancy Klamotten, und wenn sie Yoga posten, dann während sie in irgendwelchen fancy Positionen stecken. Lagerfeueratmosphäre? Eher nicht.

Dann aber, als ich das ganze Gespräch mit ihr hörte, verstand ich sehr gut, was Carry-Anne Moss meinte: Sie rief dazu auf, auch auf Online-Plattformen sehr wählerisch zu sein. Nur denjenigen zu folgen, die einen wirklich inspirieren. Wenn man das geteilt bekommt, was einem wichtig ist, wenn man Geschichten hört (oder liest), die begeistern, dann bekommt man das Gefühl einer Gemeinschaft – wie bei einem gemütlichen Abend mit Freunden und Bekannten.

Anders gesagt: Online-Plattformen sollte man so für sich nutzen, dass sie Teil der eigenen Praxis werden – und kein Kontrast oder nur ein Fotoausschnitt aus einem perfekt erscheinenden Leben.

Natürlich posten wir alle gerne das Hochglanz-Bikini-/Sport-/Happy-Happy- Foto, wenn wir eins haben. Aber sind das wirklich inspirierende Bilder? Was begeistert mich, was nehme ich bei anderen gerne mit?

Spirit-Junkie-Gründerin Gabrielle Bernstein sagt: „Never sell, only share.“ Auch wenn es dein Business ist, Dinge oder Dienstleistungen anzubieten (als Yogalehrerin: deinen Unterricht), tu nicht so, als müsstest du etwas VERKAUFEN, sondern teile, warum du das tust, was du anbietest.  Warum brennt dein Herz dafür? Warum machst du deinen Job?

Mehr noch als vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten gehen wir/die heutigen Generationen zwischen 15 und 80+, ins Internet, um etwas lernen oder aufzufrischen, etwas nachzuschlagen, etwas herauszufinden – uns inspirieren zu lassen.

Unsere Inspirationsquellen sind wichtig für uns: Wir holen uns aus dem Netz das Rezept für unseren nächsten Kochabend, hat uns jemand oder etwas inspiriert, dann tragen wir uns vielleicht für den Newsletter ein oder speichern den Blog/die Webseite. Hat uns etwas oder jemand bei Facebook gefallen, brauchen wir gar nichts speichern – wir bekommen die Nutzer oder Seiten, auf denen wir Zeit verbringen, automatisch als erstes das nächste Mal vorgeschlagen.

Wir schauen nicht mehr oder selten in Quelle-Kataloge oder Reklame-Blätter von Diskountern (wie meine Eltern früher wie selbstverständlich: „Hast du schon geschaut, was es diese Woche bei xx im Angebot gibt?“ – und dann wurde das gekauft, was im Angebot war, und nicht der Lieblingskäse, da der eben grad nicht im Angebot war). Wir lassen uns inspirieren von Facebook-Posts und Youtube-Videos, von Rezepte-Blogs und Lifestyle-Seiten. Ob etwas im Angebot ist, ist nicht mehr so wichtig. Und wenn wir andere inspirieren, dann bleiben die dafür an uns dran.

So können wir uns UNSERE Geschichten suchen, dafür müssen wir wissen oder registrieren, was wir wirklich gerne mögen. Warum wir etwas konsumieren. Warum wir bestimmte Menschen/Meinungen/Seiten wertschätzen.

Wenn ich also in meinem Intagram-Account nur fancy Positionen-Models sehe – dann muss ich mir bewusst sein, dass ich die alle abonniert habe, und es nicht eine Reflektion der Zeit ist, oder was auch immer man sich da als Klischee zurecht legt. Vor jedem Abo sollte ich mich also fragen: Ist das jemand, der mich inspirieren könnte? Der meine Praxis und meinen Alltag bereichert?

Wenn diese Überlegung fehlt, konsumieren wir oft alles Mögliche, ohne zu reflektieren. Und dann: zu viel, diese verdammten Medien… Aber was kann der Supermarkt dazu, wenn du immer diese Tütennsuppe kaufst?

Immer noch kursiert viel zu oft die Diskussion über „zu viel Online“ – zu viel Facebook, Instagram, Twitter, was auch immer. Und dann: Fasten. Mal sechs Wochen kein… Und dann wieder…. bis es dann wieder zu viel wird. Und dann:…

Kennt ihr den Film „Cowspiracy“? (Unbedingt ansehen!!) Dort wird ein Umwelt-Aktivist gefragt, was er vom „Meatfree Monday“ hält – einer Kampagne, einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Seine Antwort: Solch einen Tag einzubauen sei wie eine Rechtfertigung, an den anderen sechs Tagen einfach so weiter zu leben wie eh und je und nichts zu ändern. Nichts ändern zu müssen, denn man macht ja schon einen Tag in der Woche „Buße“/Verzicht – you name it.

The key to everything is consciousness. Du entscheidest, anstatt dass dir etwas passiert.

Internet-Fasten sollte keine „Auszeit“ aus dem Online-Leben sein, sondern eine Zeit, um dich zu fragen, wie du online leben willst und nach welchen Ritualen/Inspirationen du dich richten magst.

Ebenso macht es andersherum Sinn: Wenn ich etwas poste, dann möchte ich, dass  mein Post inspirierend ist und ich frage mich, ob jemand zuhören würde, am Lagerfeuer.

 

Hier das Interview von Elena Brower mit Carie-Anne Moss.

Carrie-Anne Moss hat das Projekt Annapurna Living gegründet.

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