Reisen mit Nicht-Yoga-Freunden und andere Herausforderungen

Man liest so oft: Yoga und Reisen passen so gut zusammen. Viele Yogis und Yoginis reisen gerne, Retreats an allen möglichen schönen Orten dieser Welt werden angeboten. Ja, manchmal scheint es gar so, dass man als Yogalehrerin reisen muss, um all die interessanten und berühmten YogalehrerInnen kennenzulernen. Dass das dazugehört zu einer gebildeten und bereisten Lehrerin. Warst du bei dem und dem Workshop in London? Und kennst du das Center auf Bali?

Und dann das:

Vergangenen Monat habe ich Freundinnen in Peru besucht. Ich bin durchs Land gereist mit Freunden, die zwar ab und zu Yoga machen, deren Alltag nun aber nicht von Yoga geprägt ist (wie meiner). Unser Urlaubs-Alltag sah so aus: Früh aufstehen, lange frühstücken, ins Auto oder in den Bus, bis zum nächsten Ort fahren, Essen gehen, Schlafunterkunft besorgen, Bier trinken, wenn es nachts sehr kalt war: härteren Alkohol.

In der ersten Woche sind wir in die Berge gefahren, wir sind viel gewandert, haben uns viel bewegt – aber ich merkte sehr schnell, dass mir meine sonst so vertraute Yogapraxis fehlte. In den Hostels in den Bergen war kaum Platz, ich habe morgens ein bisschen Tai Chi/Qi Gong geübt – aber zu mehr war mein Kopf nicht bereit. Dann hatten wir irgendwann keine Unterkunft mehr und übernachteten im Zelt. Das war der Moment, in dem mir das Reisen schwerer fiel als früher. Ich bin immer gerne gereist und übernachte auch gerne in Zelten. Aber irgendwie fehlte mir jetzt in Peru ein Moment der Ruhe, ich wollte so gerne meine Matte ausbreiten. Aber irgendwie, so bereit mein Körper auch war, konnten meine Gedanken keinen Moment finden, in dem auch sie bereit waren.

Ich fühlte mich merkwürdig. Irgendwie hatte ich in den letzten Jahren meine eigene Yogapraxis so fest in meinen Alltag eingebaut, dass ich etwas vermisste. Aber auf der anderen Seite fühlte ich mich während des Reisens nicht ruhig genug, um mir einen Moment Yogapraxis zu nehmen. In den letzten Jahren bin ich fast nur Yoga-mäßig unterwegs gewesen. Mit meinem Freund bin ich zwar auch zum Zelten gefahren, aber wir haben immer auch zusammen Yoga geübt und uns Zeit für die eigene Praxis genommen. Sie war eine Selbstverständlichkeit, wir mussten noch nicht mal darüber reden, wann wer die Matte ausrollt. Der andere machte mit.

Nun war ich mit diesen alten Freunden unterwegs, denen ihre (gelegentliche) Praxis nicht fehlte. Freunde, die ich noch von früher kannte, viel feiern, viel trinken. Und irgendwie fühlte ich mich wie zwischen zwei Welten. Ich wollte weder die eine noch die andere.

Die letzten Tage war ich alleine unterwegs. Ich leistete mir eine Nacht in einem „Luxus“-Hotel – für peruanische Verhältnisse. Ich hatte ein riesiges Zimmer für mich. Ein Doppelbett mit kuschlig-weichen Kissen. Einen eigenen Balkon mit Blick auf einen Wasserfall, der aus den Bergen hinausfließt. Ich rollte beinahe intuitiv meine Matte aus, meditierte auf dem Balkon. Ich war geschockt von meiner eigenen Reaktion. Brauchte ich diesen Luxus und diese Ruhe, um Yoga üben zu können? Alleine sein, abgesichert sein? Zumindest war es mir dort in meinem Luxus wieder möglich, leicht eine eigene Praxis zu finden.

Ich unterrichte gerne beim Yoga, dass eine eigene Praxis immer die Voraussetzung sein sollte, um regelmäßig Yoga üben zu können. Und dass diese eigene Praxis überall möglich ist. Aber ist sie das wirklich? Ich glaube rückblickend nicht mehr, dass es wirklich nur das schöne Ambiente war, dass mir meine Yogapraxis ermöglichte, mehr war es das Gefühl, angekommen zu sein. Es war zwei Tage vor meinem Rückflug, ich hatte die nächsten beiden Tage schon geplant und musste mich nicht mehr darum kümmern, wie die Dinge geplant werden müssen.

In meinen Überlegungen über diese Situation fiel mir ein Nachmittag ein, 5 bis 6 Jahre her, als ich mich in einer schwierigen Zeit mit meinem jetzigen Ex befand. Wir wussten nicht so recht, wie es weitergehen sollte, hatten aber beide auch nicht die Chance ergriffen, frei und ehrlich miteinander zu reden. Ich hatte das Gefühl, ich musste noch etwas sagen, aber ich traute mich nicht recht, ihn anzurufen. Und gleichzeitig wartete ich auf einen Anruf von ihm.

Ich versuchte in den Tagen, meine damalige sehr strenge Meditationspraxis aufrechtzuerhalten – komme was wolle. Aber es ging einfach nicht. Ich erinnere mich an den einen Nachmittag, in meiner Wohnung in Meditationshaltung sitzend, versuchend, meine Gedanken zu reduzieren, beieinander zu halten. Es war einfach nicht möglich. Die wanderten zu meinem Handy, die ganze Zeit, nervös. Ich war genervt von mir selber. Nicht nur, dass ich diese dumme Situation selbst mit-kreiert hatte, sondern auch, dass es mir jetzt noch nicht einmal möglich war, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Das war wie die größere Bestrafung.

Und genau so fühlte ich mich nun in meinen Reise-Wochen in Peru: Als wenn mein Kopf nicht bereit war, sich auf eine Yogapraxis zu konzentrieren oder auch nur darauf einzulassen. Zu viele unbekannten Variablen. Zu viel hin und her. Nicht, dass mir das Reisen nicht gut tat – aber es war viel Neues. Und dieses Neue in Kombination mit meinen Nicht-Yoga-Freunden musste verarbeitet werden. Und dann war da kein Platz für Yoga. Erst als alles sicher und schön war, die Zukunft geplant, war sofort wieder Platz für die eigene Matte.

So viel an Monkey Mind also in meinem Kopf – ziemlich viel. Das Gute ist, dass man nach solchen Crash-Landungen sehr gut wieder weiß, wo man ist. Hier im schönen Köln in meiner kleinen Wohnung alles in Ordnung- aber da gibt es mehr als das. Und dann sind da ziemlich viele Herausforderungen, denen man sich stellen kann. Moment: Denen ich mich stellen kann.

Reisen innerhalb des Yoga-Businesses sind also gänzlich anders für mich als freies Reisen mit Nicht-Yoga-Freunden. Gerade deswegen ist es so wichtig, das ebenfalls zu trainieren. Was hat man davon, nur in seiner eigenen Komfort-Zone zu sein? Man lernt, aber nicht alles und nicht die schwierigen Dinge. Ich werde weiterhin viele Yoga-Reisen machen – aber sobald sich die Gelegenheit bietet, besuche ich wieder Nicht-Yoga-Freunde in fernen Ländern. Mal schauen, was sich bis dahin verändert hat und wie leicht oder schwer es mir fallen wird, meine Praxis zu finden.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s