Practice what you preach. Super wichtig. Nicht so einfach, gerade, wenn es darum geht, dass alles seine Zeit braucht, auch wir selber. Als Yogalehrerin stehe ich regelmäßig vor einer Gruppe von Menschen, die eine Auszeit sucht. Manchen reichen die 90 Minuten (regelmäßig) auf der Matte, für andere ist mein Yogaunterricht nur die Erkenntnis, dass sie wirklich eine längere Pause brauchen und die Stunde kann sie inspirieren, sich diese Auszeit zu nehmen. Neulich las ich diesen Artikel in der WELT.

Mal davon abgesehen, dass es in jedem Bereich bessere und schlechtere Dienstleistungen gibt, und auch mal davon abgesehen, dass es ganz andere Bereiche in unserer westlichen Welt gibt, in denen wesentlich mehr Geld erwirtschaftet wird, hat mich die Autorin zum Nachdenken gebracht, was sie eigentlich auf der Matte will bzw. sucht. Sie schreibt, sie will einen Ausgleich zu ihrem Büroalltag. Aber ist das wirklich alles? Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Form von Yoga in uns das Bedürfnis weckt, uns zu fragen, was wir da eigentlich tun und ob das wirklich alles ist. Ist es das schon, jeden Wochentag ins Büro zu gehen, dort seine Stunden abzuarbeiten, am Wochenende beim Frühstück noch zu denken: Ah Mist, diese eine E-Mail vollkommen vergessen… Mache ich mal eben vom Handy aus… Und dann nicht zu merken, wo die Zeit hin ist?

Ist es nicht so, dass der Ausgleich zu unserem besagten Büro-Alltag nicht nur körperlich sein KANN? Er MUSS auch geistig stattfinden?

Und nun zurück zum Anfang: Wenn ich also vor meinen SchülerInnen stehe, die körperlich und mental eine Pause suchen, durch diese Pause sich vielleicht sogar inspiriert fühlen, etwas in ihrem Leben und Alltag zu ändern, so ist es für mich unerlässlich, diese Pausen in meinem eigenen Leben zu besitzen. Und zwar in aller Wichtigkeit mit Priorität Nummer 1. Nun sind wir YogalehrerInnen ja aber auch nicht außerhalb der Welt angelegt, das heißt, auch wir müssen unseren Unterhalt verdienen und auch wir sind Teil eines (so oder so aussehenden) („Büro“-) Alltags. Dazu gehören oft Arbeitszeiten am Wochenende und unter der Woche auch abends.

Als Selbstständige habe ich dazu das Gefühl, in der Zeit, in der ich nicht unterrichte, meine Homepage updaten zu müssen, Werbung auf Facebook und Insta zu machen, neue Kurse und Workshops mir auszudenken, mich fortzubilden. (Und just by the way, als Festangestellte hatte ich ebenso das Thema, meine eigenen Kurse mit den Anforderungen meiner Arbeitgeber zu vereinen – also auch dort war es schwierig, Pausen irgendwo zu finden…). Wann und wie baue ich mir also meine freie Zeit?

Wie so oft im Leben ist das eine Entscheidung, die mit dir alleine zu tun hat und die das schöne Wort Konsequenz in das eigene Leben bringt. Es braucht eine Entscheidung, die du konsequent umsetzt. So konsequent, wie du eben möchtest. Ich zum Beispiel unterrichte jeden Sonntag, von 12 bis 14.15h. Und manchmal gebe ich nachmittags noch Workshops. Sonntage sind somit Arbeitstage für mich. Ich habe lange damit gehadert, das einfach auch mal so zu formulieren. Oft habe ich mich sagen hören: Ich unterrichte den einen Kurs, danach habe ich Zeit. Ich kann ja vorher frühstücken gehen mit euch und dann unterrichte ich „kurz“ meine Stunde.

Wenn wir uns selbst das so sagen hören, wie sollen wir erwarten, dass andere unsere Arbeitszeit ernst nehmen sollen?

Nummer 1: Dein Unterricht ist Arbeit

Du hast die Wahl, an einem Sonntag zu unterrichten, oder eben nicht. Lass uns ehrlich sein, auch wenn du sagst: Ich bin finanziell auf diese Stunde angewiesen, ich muss sie geben. Konsequenterweise ist es deine Entscheidung, wie und womit du dein Geld verdienst – und auch, wann du arbeitest. Wenn du das als bewusste Entscheidung verstehst und weitergibst, ist jegliches Unterrichten deine Arbeitszeit, dein Arbeitstag. Dieser Tag ist nicht frei.

Das bedeutet auch, du musst dir einen Ausgleich schaffen an einem anderen Tag. An dem du frei hast, einen Tag, an dem es keine Verpflichtungen gibt.

Ah hey, du sagst, es ist ja FAST ein freier Tag, du unterrichtest ja NUR eine Stunde? Wie willst du ernsthaft anderen Menschen das Wort Ruhe und Pause vermitteln, wenn du es selbst nicht ernst nimmst? Been there… Ich springe an meinem „freien“ Tag schnell ein. 50 Euro „mal eben so“. Und ich hatte ja an dem Tag eh keine Termine. Right. Aber damit ist dein freier Tag futsch. Und es ist genau wie bei der 9 to 5-Angestellten, die am Frühstückstisch am Sonntag nur mal eben schnell die E-Mail an ihren Chef schreibt, weil sie das am Freitag vergessen hat.

Nummer 2: frei ist frei ist frei

Wer, wenn nicht wir YogalehrerInnen wissen besser, dass es erst einmal einer gewissen Freihat bedarf, um die eigenen Gedanken wirklich baumeln lassen zu können, um wirklich frei zu sein von Verpflichtungen. Daher können freie Tage nur komplett frei sein. Ohne die drei Verabredungen zum Kaffee. Ohne den einen Post bei Insta, der unbedingt heute raus muss.

Ich weiß, was jetzt kommt: Dass das ja auch einfach so passiert, dass es ja auch schön ist, an seinem freien Tag dann doch noch etwas abzuarbeiten, dass man manchmal ganz spontan motiviert ist, das ein oder andere noch zu tun. Ja, das kann alles sein (und natürlich kenne ich das von mir selbst), aber es ist dann eben keine konsequente Pause, sondern ein halber Arbeitstag.

Nummer 3: Rituale

Was mit hilft, um mich festzuhalten und mein Mantra „frei ist frei ist frei“ zu wiederholen: Am Abend vorher schon es sich gut gehen zu lassen, meditieren, baden, Sauna etc. Gutes Essen. Am Morgen des freien Tages: Ich beginne mit Handy aus. Keine E-Mails aufmachen. Meditieren, Kaffee. Sich ein Buch raussuchen, was man unbedingt lesen will. Journaling. Immer wieder nutze ich diese freien Tage, um alles runterzuschreiben. Öle, Gesichtsmasken, Palo Santo räuchern, Mantren singen, Musik machen, alles ist erlaubt, was die Sinne anspricht und mehr nach innen, unter die Haut geht. Kochen, Elixirs mischen (Getränke aus verschiedenen, wertvollen Pulvern wie roher Kakao, Maca, Kurkuma ect.). Der Tag geht schnell rum. Sehr schnell. Und alle Dinge, die man unbedingt noch machen muss, gehen am nächsten Tag eben so gut, vielleicht besser sogar von der Hand.

Nummer 4: Let people know

Informationsmanagement ist alles: Lass deine Freunde und Arbeitskollegen wissen, dass du an dem und diesem Tag frei hast und nicht erreichbar bist. Nimm das selbst ernst – und andere werden das auch machen.

PS: Diesen Text habe ich an einem Dienstag geschrieben, meinem freien Tag für meinen Sonntag. So ist die größte Inkonsequenz immer wieder Teil unseres Lebens. Und das ist ok. Ich habe mir schon einen Ausgleich geschaffen, für den 11.11. meinen Sonntagskurs getauscht, neuer free day 😉 So dass wir uns selbst immer wieder die Chance geben können, dabei zu bleiben. Und wenn wir kurz einen Umweg genommen haben, wieder zurückzukommen.

Veröffentlicht von steffigrube

I'm a yoga and writing passionista, living in Cologne, Germany, love to travel the world. I'm very much into nutrition and cooking, have some big dreams and love to plan ahead on them.

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: